In Richen gab es zu der vorgeschriebenen Mahlmühle noch eine Gipsmühle, außerhalb des Dorfes an der Straße nach Berwangen gelegen. Ihr Räderwerk wurde vom Wasser des Birkenbaches getrieben. Erst sollte eine Gerberei dort erstellt werden, wozu aber das Wasser nicht ausreichte. Deshalb richtete man dort um 1820 eine Gips-, Reib- und Ölmühle ein. Neben dem Toreingang ist in einem Stein die Jahreszahl 1820 eingemeißelt. Besitzer dieses Betriebs waren Leibbrand, Jakob Götz, Heinrich Sauter und danach Karl Wieser. Als der Hanf- und Flachsbau aufhörte, war die Reibmühle überflüssig und mit der Verwendung von Kunstdünger in der Landwirtschaft wurde auch die Gipsmühle kurz vor Kriegsende unnötig. Karl Wieser betrieb die Ölmühle jedoch weiter und richtete noch eine Teigwarenfabrik ein, sodass die Richener Hausfrauen ihre Nudeln nicht mehr selber herstellen mussten, sondern diese jederzeit frisch in der Fabrik kaufen konnten. Der gelernte Konditor bot jedoch auch Brot und Feingebäck an. 

  K a r l  W i e s e r
  R i c h e n
  Teigwarenfabrik
  Brot- und Feinbäckerei

Die Waren wurden mit Pferdekutschen und der Bahn an die Endkunden verteilt. 
Karl Wieser, war allen technischen Neuerungen schon immer aufgeschlossen und fuhr auch als erster in Richen einen fahrbaren Untersatz, einen kleinen „Piccolo“ der Fa. Ruppe & Sohn, Apolda/Tühringen. Baujahr ca. 1910, 5 PS, Gewicht 425 kg, Höchstgeschwindigkeit 35-40 kmh.Mit diesem Auto absolvierte Karl Wieser seine 1. Fahrversuche und beförderte seine Waren über’s Land.

  

Die fabrikmäßige Herstellung von Teigwaren nahm 1917 ihren Anfang. Immer mehr Einzelhändler wurden beliefert. Das solide und tragfähige Unternehmen beschäftigte immer mehr Leute und konnte schließlich die Brot- und Feinbäckerei aufgeben und sich ganz dem „Nudelmachen“ widmen. 

 

 

 

 


Karl Wieser übergab den Betrieb im Jahre 1942 seinem Sohn Eduard Wieser und seiner Frau Hilda geb. Zimmermann. Sie brachten den Betrieb durch die turbulenten Kriegs- und Nachkriegsjahre und stemmten sich erfolgreich gegen den Wandel der Strukturen was bestimmt nicht immer leicht war. Die Mühle wurde umgebaut und eine große Wohnung über das Fabrikgebäude errichtet.  

 





Trotz seiner fortschreitenden Erblindung haben Eduard und Hilda gemeinsam die Maschinen bedient, die Fabrikation am Laufen gehalten, das Büro gemacht und wenn nötig die Waren selbst ausgeliefert. 
Bis zu 25 Beschäftigte vorwiegend aus Richen arbeiteten im Schichtbetrieb. Ca. 100.000 Eier wurden innerhalb von 4 Wochen verarbeitet. 

  

 

1972 übergab Eduard „Ede“ Wieser den Betrieb an seine Tochter Christa mit Ehemann Helmut Heisig. Der Familienbetrieb musste sich durch die schwindenden Kleinkundschaften, die sich zu Genossenschaften und Verbänden zusammenfanden, sich einen Großabnehmer suchen. Dies war die renommierte Firma Zabler in Bad Mingolsheim bei Bruchsal, die den oberrheinischen Raum und mehr belieferten. Doch ein Stamm alter, treuer Kunden standen weiterhin zu dem Familienbetrieb.






Im Jahr 1979 übernahm Ihr Sohn Thomas Heisig die Firma. Fa. Zabler baute jedoch zu dieser Zeit bereits ein neues modernes Werk in Bruchsal. Dadurch brach der größte Kunde weg und die Produktion wurde eingestellt.